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NZ 350-1 Spezifikation

Im Jahr 1943 wünschte die Wehrmacht ein mehr ihrem speziellen Bedarf entsprechendes Motorrad. Als Ergebnis dieser Überarbeitungen präsentierte DKW die NZ 350-1 - eine Maschine, deren Prototyp bereits im Jahr 1938 fertig gestellt war. Dies war eine dem militärischen Bedarf angepasste Maschine, die auf Basis der NZ 350 speziell für diesen Gebrauch entwickelt worden war. Real handelt es sich nur um eine relativ geringe Anzahl von Änderungen. Bei der Analyse können wir allerdings nicht auf einen Ersatzteilkatalog speziell für das Modell 350-1 zurückgreifen und müssen uns mit der als D605/27 veröffentlichten Bedienungsanleitung behelfen.

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Eine der wesentlichsten Änderungen betrifft den Motor. Folgt man der "Kurzmitteilung Nr. 328" startete die Produktion des neuen Motors ca. im April 1944 mit der Motornummer 1358201. Es wurden mir jedoch erst kürzlich Bilder bekannt, die einen Gusseisenmotor mit der Motornummer 1354362 zeigen!! Der Motor war im definitiv im Orginalzustand und trug auf seinen Getriebeteilen die Markierung 05/44 (Mai 1944), so daß man die Mitteilungen des Werkes an dieser Stelle in Zweifel ziehen muß. Die Bilder zeigen die genannten Motorteile:

     cast iron motor with the engine no. 1354362    cast_gear-thmb.jpg 

DKW wurde durch den kriegsbedingten Mangel an Aluminium gezwungen, für das gesamte Motorgehäuse nunmehr Gusseisen zu verwenden. Konstruktiv änderte sich folgendes: Die Lichtmaschinen Abdeckung und der Kupplungsdeckel - ebenso wie die Führung des Kupplungs- Bowdenzuges - wurden verändert. Eine andere, kleinere, Lichtmaschine wurde eingebaut. Der Kupplungs-Bowdenzug wurde nun von oben in das Gehäuse geführt und nicht mehr von unten wie beim Vorgängermodell. Ebenso wurde die Möglichkeit der Ölstandskontrolle geändert: anstatt der Kontrolle über eine Öffnung im Kupplungsdeckel erfolgte dies nun über einen auf dem Motorblock angebrachten, eingeschraubten Messstab.

       dkwnz1-01.jpg    dkwnz1-01.jpg

Eine andere Änderung betrifft den Zylinder: Bei der NZ 350 decken kleine Aluminium Abdeckungen die Überströmkanäle seitlich am Zylinder ab, bei der NZ 350-1 sind diese Deckel ebenfalls aus Gusseisen gefertigt (kleiner Hinweis: um einen NZ 350 von einem NZ 250 Zylinder zu unterscheiden muß man nur die Kühlrippen oberhalb dieser Deckel zählen – bei einem 350er sind dies 6, bei einem 250er lediglich 4 Rippen)

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Der Schalthebel unterscheidet sich ebenfalls bei NZ 350-1 und NZ 350

     350_1ftsh_tmb.jpg    DKW NZ350 Schalthebel

Im Inneren des Motors unterscheiden sich im Wesentlichen die Kurbelwellen der beiden Modelle

      dkwnz1-14.jpg    dkwnz1-13.jpg 

Der Luftfilter wurde ebenfalls verändert: Während bis dahin ein einfacher, runder Nassluftfilter montiert wurde, kam nun ein Wirbelstrom - Luftfilter zum Einsatz (auch Zyklon-Luftfilter genannt). Dies war eine der wesentlichen Weiterentwicklungen, da der neue Filtertyp dem alten Modell an Wirkungsgrad deutlich überlegen war. 

      dkwnz1-05-01.jpg    dkwnz1-05.jpg 

Eine weitere Änderung fand bei der elektrischen Anlage statt. Anstelle des Spulenkasten Sp12A wurde nun der Spulenkasten Sp13r montiert. Der bislang im Tank montierte Zündlichtschalter konnte nun entfallen, da in den Sp13r bereits ein Zündlichtschalter mit 5 Positionen integriert war. Dies vereinfachte die Konstruktion / Herstellung erheblich. Zudem wurden weitere, eher kosmetische Änderungen durchgeführt. Eine davon betraf das Vorderradschutzblech. Statt dem ursprünglichen, geschwungenen und seitlich heruntergezogenen Schutzblech im Art-Deko Stil wurde nun ein flaches, einfaches Blech verwendet. Dies sollte der Ansammlung von Schmutz im Kotflügel entgegenwirken. 

      dkwnz1-07.jpg    dkwnz1-06.jpg 

Nächster Punkt auf der Liste der Änderungen ist der Tank, bei dem nun die Aufnahme für das Zündschloss entfallen konnte.Von der in Fahrtrichtung rechten Seite wanderte die Einfüllöffnung an ihre Stelle. Zusätzlich wurde auf dem Tank eine Halterung angebracht, an der der Kradmelder den Behälter seiner Gasmaske befestigen konnte. Diese Halterung ist ein sehr selten erhaltenes Detail. Es wurde lediglich an den Tank geschraubt, zur Befestigung wurden Aufnahmen am Tank angebracht, wie sie bei den älteren Modellen zur Befestigung der Kniekissen-Haltebleche angebracht waren. Auf dies Weise wurde es vermieden, Löcher in den Tank zu bohren. Bislang konnte dieses Teil im Original nur an einem einzigen Motorrad entdeckt werden, da diese Halterung, im zivilen Gebrauch der Maschinen nutzlos, fast immer entfernt worden ist.

* Bei den folgenden Bildern ist zu beachten, daß das Metallband, das den Gasmaskenbehälter auf der Halterung sichert, nicht original ist!! Es ist höchst wahrscheinlich, daß hierfür ein Geweberiemen vorgesehen war.

      dkwnz1-08.jpg    dkwnz1-08.jpg 

Des Weiteren wurde der Scheinwerfer durch ein kleineres Exemplar ersetzt, welches über eine "zwillenförmige" Halterung an der Gabel befestigt wurde. Dies war anscheinend eine der billigsten Befestigungen zumal sie in der Ausführung auch recht grob gehalten ist

      dkwnz1-10.jpg    dkwnz1-09.jpg 

 Eine weiteres zusätzlich angebrachtes Ausstattungsdetail ist ein Blech am Hinterrahmen. Diese "Flosse" ist ein Matsch- und Schneekratzer, der den Reifen von Anhaftungen befreien sollte bevor diese den Kettentrieb erreichen und von dem zum Motor zurücklaufenden oberen Kettentrum in das Motorgehäuse gezogen werden. Dies war unbedingt zu vermeiden, da dieser Dreck dort im Winter gefrieren und das Motorrad immobilisieren konnte. Diese Entwicklung war ein direktes Ergebnis der im russischen Winter gemachten Erfahrungen.

Weiterhin wurde der Gepäckträger mit zwei zusätlichen Haltern verstärkt.    

      dkwnz1-11.jpg    dkwnz1-12.jpg 

Die Fußrasten unterscheiden sich ebenfalls bei den beiden NZ Modellen – dies betrifft sowohl die Fahrer- als auch die Soziusfußrasten.

               350peg-tmb.jpg    350-1peg-tmb.jpg 

Dies waren eigentlich alle Änderungen am gesamten Fahrzeug – nicht all zu viele für ein "neues Modell" Das Motorrad war im Wesentlichen in zwei unterschiedlichen Versionen für die Armee verfügbar: zum einen für die Luftwaffe in "schwarz-grau", zum anderen für das Heer – zunächst in Wehrmachts-grau (dunkel-grau), dann in beige (auch bekannt als "sahara-beige" oder "dunkelgelb") und zum Schluss ab 1945 in grün. Mehr dazu unter "NZ richtig lackiert"

 

Technische Daten

Motor luftgekühlt 346cc, 1-Zyl, 2-Takt
Leistung 10,8 / 11.5 PS/4000 Upm
Bohrung/Hub 72/85 mm
Verdichtung 5.8:1
Steuerung Schlitz (Schnürle Patent)
Vergaser Bing AJ 2/24, 24 mm
Elektrik 6 Volt
Sekundärantrieb Kette
Länge 211 cm
Breite 75 cm
Sattelhöhe 70 cm
Radstand 1355 mm
Bodenfreiheit 12 cm
Getriebe 4-Gang
Schaltung Fuß- und Handschaltung
Rahmen  Pressstahl, ungefedert
Gabel Parallelogram
Bremsen Trommel/Trommel
Höchstgeschwindigkeit 90 km/h
Reifen 3.25 – 19
Tankinhalt 15 Liter
Benzinverbrauch 3.5 Liter /100 km

Gesamt Produktionsmenge circa 12000 Stk
Baujahre 1944 - 1945